Zum Seminarzyklus Sommer 2012: Psychoanalyse und Sozialarbeit

Annemarie Hamad, Paris
Martin Feuling, Tübingen
Beat Manz, Triesen

“Für mich hat immer gegolten, dass die Rolle des Psychoanalytikers sich nicht auf die eigentliche Kur, noch die egoistische Bewirtschaftung eines Wissens beschränken solle, sondern sie soll sich, ausgehend von seiner Erfahrung menschlichen Leidens über das Behandlungszimmer und dessen Konzepte hinaus erstrecken auf sein gesellschaftliches und öffentliches Tun, auf seine alltäglichen Interventionen“ (Françoise Dolto).*

Die Begriffe Sozialarbeit und Psychoanalyse scheinen sich auf den ersten Blick zu widersprechen. Eine klassische analytische Situation kann nicht eins zu eins auf dem Feld der sozialen Konflikte und Schwierigkeiten reproduziert werden. Aber die Ethik, mit der die Psychoanalyse arbeitet, ist möglicherweise genau das, was in diesem Kontext – in psychiatrischen Kliniken, Gefängnissen, Spitälern, in der Familienberatung, Paarberatung, Suchtberatung, in Geriatrie und Kulturvermittlung – wirksam sein kann. Das Bezeugen eines Mangels, das offene Ohr für „eine Geschichte“ kann hier und dort eine Sprengkraft entwickeln, die festgefahrene Situationen auf einen überraschenden Ausweg hin öffnet und Kreativität freisetzt, wo vorher nur Ausweglosigkeit und Entmutigung herrschten. Umgekehrt sieht sich die Psychoanalyse, verlässt sie einmal ihre geschützte Werkstatt, als Praxis und Theorie bei solchen Einsätzen im Feld auf die Waage geworfen und muss zeigen, dass sie gesellschaftsfähig ist im umfassenden Sinn des Wortes. Die Begegnung mit nicht-standardisierten Situationen könnte auch bei ihr eine neue Kreativität auslösen.

*J’ai toujours pensé, pour ma part, que le rôle du psychoanalyste ne se limite pas à la cure proprement dite, ni à la capitalisation égoiste d’un savoir, mais s’étend, prenant racine dans son expérience de la souffrance humaine, au-delà de son cabinet et de ses concepts, à ses activités sociales et publiques, à ses interventions quotidiennes“  (Doltó, F., 1986, La difficulté de vivre. Paris: Vertiges du Nord).

Annemarie Hamad, Paris
Empfinden, Verlieren, Finden, Erfinden
Freitag, 30.3. und Samstag, 31.3.2012

Martin Feuling, Tübingen
Die Grenzen des Machbaren – Aspekte der Kastration (in) der Institution
Freitag, 28. 4. und Samstag, 29. 4. 2012

Beat Manz, Triesen
Von der psychoanalytischen zur institutionellen Pädagogik
Freitag, 6. 7. und Samstag, 7. 7. 2012