Semesterschwerpunkt: Liebe, Hass und Hassliebe im Feld und auf der Couch

Nachdem im Wintersemester die Liebe als Semesterschwerpunkt Gegenstand von Seminaren und Vorträgen war, wollen wir nun vom Hass nicht schweigen. Denn allzu oft verwandelt sich leidenschaftliche Liebe in leidenschaftlichen Hass, und es fragt sich, wie sich diese (ungleichen) Geschwister zueinander verhalten und was die Bedingungen ihrer Entstehung sind.

Liebe und Hass sind nicht nur zwei grundlegende Affekte; es sind Existenzialien von prägendem Charakter für die menschlichen Subjekte. Sie überfallen uns als Ereignisse und stellen unsere Lebenspläne auf den Kopf.

In der Psychoanalyse spielen Liebe und Hass zunächst als Faktoren im analytischen Setting eine tragende Rolle. Liebe betritt hier den Schauplatz als Übertragungsliebe, die der Analysant auf den Analytiker richtet. Bei negativer Übertragung bringt eine Form von Hass den Assoziations- und Erinnerungsfluss zum Versiegen. Insofern der Analytiker beide Formen zu deuten versteht, arbeitet er mit Liebe und Hass, und arbeitet sich zugleich an ihnen ab.

Sind Überschätzung und Abwertung des Liebesobjekts nur zwei Seiten einer Medaille, kennt die (lacansche) Psychoanalyse drei Positionen hinsichtlich Liebe und Hass: Liebenswert, hassenswert sowie liebens- und hassenswert zugleich.

Ausgehend vom analytischen Setting und der klinischen Erfahrung entwirft die Psychoanalyse eine Theorie des Subjekts und sieht diese am Leitfaden der Denkfiguren von Eros und Thanatos aufgespannt zwischen Narzissmus und Objektliebe, zwischen Aggressivität, Destruktivität und Produktivität.

Im Rahmen des Semesterschwerpunkts werden wieder ausgewählte Experten Vorträge und Seminare zum Semesterschwerpunkt abhalten, während Dozierende des Lacan Seminars Semesterkurse durchführen, u. a. mit den Themen: Goethes Sprache der romantischen Liebe, Liebe und Hass bei Kleist sowie der Frage, ob zu Recht von einer freudschen Theorie des Hasses gesprochen werden kann, und Liebe und Hass beim kindlichen Subjekt. Ein Lektürekurs zum Seminar Encore dient ebenfalls der Erörterung dessen, was Liebe (nicht) ist.

Den Abschluss der Reihe ‚Liebe, Hass und Hassliebe im Feld und auf der Couch‘ bildet die Summer School über Liebe und Hass in Philosophie, Psychoanalyse und Kultur, welche das Lacan Seminar Zürich unter anderem mit der Kulturanalyse an der Universität Zürich vom 16. – 20. Juli 2018 veranstaltet.

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