Semesterschwerpunkt: Liebe im Feld und auf der Couch

Liebe und Hass sind grundsätzliche Affekte menschlichen Lebens. Sie bestimmen nicht nur das Schicksal einzelner Menschen, sondern prägen auch Kunst, Kultur, Gesellschaft und Politik. Wie Liebe und Hass jedoch funktionieren, sei es subjektiv oder gesellschaftlich, bleibt auch heute noch, seit Platon vor bald 2500 Jahren die Liebe im Symposion konzeptualisierte, weitgehend ungeklärt.

Das heutige Zeitalter ist ein Zeitalter der diachronen Polygamie – wir haben in der Regel mehrere Liebespartner im Leben, aber nicht zum gleichen Zeitpunkt, sondern nacheinander. Unsere moderne Vorstellung des Ideals romantischer Liebe, eines Eins-sein-Wollens, das Freundschaft, Dauer und Sexualität amalgamiert, stellt höchste ethische und willentliche Anforderungen an die beteiligten Subjekte und ist in der Regel nur als ein solcher Kompromiss der diachronen Polygamie lebbar.

Die romantische Liebe unternimmt den ambitionierten Versuch, „das höchste Seelische mit dem am meisten Sinnlichen“ (Kierkegaard) zu synthetisieren. So wird die Liebe als Versuch verstanden, die philosophisch und psychoanalytisch immer wieder beschriebene Aporie zwischen Denken und Sinnlichkeit zu überwinden.

Aus der Sicht der Psychoanalyse ist die romantische Liebe gewissermassen ein Triebschicksal, da die Idealisierung des Liebesobjekts und die Sublimierung des Triebes Bedingungen der romantischen Liebe sind. Liebe ist in der Psychoanalyse wesentlich Übertragungsliebe, weshalb die Übertragung – ein Phänomen, welchem Lacan sein ganzes Seminar VIII widmete – ein weiteres wichtiges Konzept ist. Es hilft zu verstehen, warum und was man liebt. Lieben impliziert in der Regel auch ein Geliebtseinwollen (Freud), was Liebe in einen Zusammenhang mit dem Narzissmus stellt, den es gerade in unserem Zeitalter der Selbstliebe genauer zu untersuchen gilt.

Wenn man über die Liebe redet, sollte man über den Hass bzw. die Hassliebe nicht schweigen. Allzu oft verwandelt sich leidenschaftliche Liebe in leidenschaftlichen Hass, und es fragt sich, wie sich diese ungleichen Geschwister zueinander verhalten und was die Bedingungen ihrer Entstehung sind.

Obwohl der Begriff der Liebe eine umfangreiche Extension (erotische Liebe, Nächstenliebe, freundschaftliche Liebe) hat, liegt all diesen Ausprägungen eine Bindung zugrunde, welche es in einem ersten Schritt genau zu bestimmen gilt.

Als Auftakt werden wir im Rahmen von Lacan Seminar on tour (Mo. 09.10.2017 – Fr. 13.10.2017) in Athen Auszüge aus dem Seminar VIII von Lacan lesen. Dann werden ausgewählte Experten Vorträge und Seminare zum Semesterschwerpunkt abhalten, während Dozierende des Lacan Seminars Semesterkurse durchführen. Eine Vorlesungsreihe Liebe im Feld und auf der Couch: Eine etwas andere Einführung in die Lacansche Psychoanalyse an der Universität Zürich erfolgt einmal mehr in Kooperation mit dem Studentischen Forum für Psychoanalyse an der Universität Zürich (SFP-a- UZH).

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