Schwerpunkt Herbst und Winter 2021/22: «Imaginäres, Symbolisches, Reales – Lacans drei Register»

Nachdem im Frühling und Sommer der Schwerpunkt auf dem Register des Imaginären lag, konzentrieren wir uns im Herbst und Winter auf das Symbolische. Wir identifizieren es mit der Sprache und dem Sprechen und verstehen diese oft leichtfertig als eine «App» zum Kommunizieren, die wir nach Belieben ein- und ausschalten. Das Symbolische ist aber immer und überall um uns herum und geht durch uns hindurch. Wir sehen es in Buchrücken und Werbetexten unserer Umgebung, wir hören es in Gesprächsfetzen von Passanten und in der Musik aus den Musikanlagen vorbeifahrender Autos. Das Symbolische ist darüber hinaus ein unsichtbares und unendliches Gittergerüst, an dem das hängt, was wir Wirklichkeit nennen, verputzt und übermalt vom Imaginären, damit wir nicht die Orientierung verlieren. Zugleich begrenzt das Symbolische die Wirkmacht des Imaginären und unsere Verstrickung in Phantasmen. Als Subiectum ist der Mensch dem Symbolischen unterworfen. Dieses Unterworfensein zeigt sich auch darin, dass die Dimensionen des Rechts und des Gesetzes eng mit dem Symbolischen verknüpft sind:

«Ich möchte mich hier nicht an eine Erkenntnistheorie machen, aber es ist wohl evident, dass die Dinge der Menschenwelt Dinge eines als Rede strukturierten Universums sind, dass die Sprache und die symbolischen Vorgänge alles beherrschen und regieren.» (Lacan, 1959-1960/2016, S. 58)

Das Subjekt wird von der Sprache gesprochen. Was bedeutet «von der Sprache gesprochen»? Die Psycho-analyse lehrt uns, diesen gigantischen Hypertext wahrzunehmen und zu lesen. Dank ihr verstehen wir besser, was Bedeutung bedeutet, wie sie zustande kommt und worin ihre Relativität liegt. Eine Diagnose zum Beispiel ist nur ein einzelnes Wort. Es strukturiert aber sofort die ganze Wirklichkeit eines Subjekts, zum Besseren oder zum Schlechteren. Es verdichtet die Probleme auf einen kleineren Lebensbereich und hilft, Gegenmassnahmen zu treffen. Die Diagnose kann aber auch eine falsche sein oder eine mythische, oder sie kann vom Subjekt als ein Symptom in seine Neurose eingebaut werden. 

In den Seminaren zur Funktion des Symbolischen, der Lektüre von «Namen des Vaters» etc. gehen wir dem Symbolischen auf den Leim und nähren wir unser -Wissen. Gerda Pagel und Manfred Riepe führen uns auf besondere Felder von Lacans Arbeit am Begriff des Symbolischen und im Film «Matrix» erweist sich unsere Welt als Computersimulation.

Peter Widmer untersucht in «Transformation», wie die énonciation im Symbolischen Änderungen bewirkt. 

Die Lektüregruppe «Encore» beginnt neu mit dem -Seminar «R.S.I.». Und die Gruppen zu Freuds «Wolfsmann» und Lacans «Seminar V» werden fortgeführt.

Die Arbeitstagung zur Klinik am PSZ und die «Klinische Matinée» erlauben wie jedes Semester die Bewegung mit Fällen aus der Praxis.