Das Spiegelstadium

Zum zweiten Mal widmet sich das Lacan Seminar Zürich dem berühmten Vortrag Lacans über das Spiegelstadium, den Lacan an einem Kongress 1949 in Zürich in der zweiten Fassung vorstellte – die erste Fassung konnte Lacan auf dem Kongress in Marienbad 1936 nicht in Gänze darstellen. Zuerst hatte das Lacan Seminar Zürich am 18. September 1999 in der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich den 50. Geburtstag des Vortrages u.a. mit einem Vortrag von Elisabeth Roudinesco gewürdigt. Im Wintersemester 2019 werden wir den 70. Geburtstag des Vortrages an zwei Orten würdigen: in Zürich und Marienbad.

Lacans Konzept des Spiegelstadiums beschreibt einen biografisch-mythischen Moment, in dem das kindliche Subjekt sich mit seinem Spiegelbild identifiziert und so eine Kontur schafft, die was zu mir gehört von dem trennt, was nicht zu mir gehört. Das Verhalten von Kindern vor dem Spiegel war schon länger bekannt, aber es ist Lacans Verdienst, die Bedeutung dieses Moments für die Ich-Bildung erkannt zu haben. Das war möglich, weil er ihn in den grösseren Kontext des Subjekts, und dieses in den Kontext des alles umgreifenden Symbolischen, Imaginären und Realen stellte.

Lacan führt dieses Paradox auf unsere Subjektstruktur zurück. In seinem Vortrag über das Spiegelstadium von 1949 zeigt er uns auf, wie unsere Erfahrung, ich zu sein, auf der Identifizierung mit unserem Spiegelbild beruht und dadurch zugleich eine Verkennung ist, welche auch klinisch wirksam ist.

Überall begegnet uns das Bild des Anderen. Nur erkennen wir es nicht als solches, sondern unterstellen diesem Bild uns gleich zu sein, uns selbst wiederzugeben. Immer wieder stossen wir dann mit der Nase schmerzhaft auf das real Andere. Umgekehrt bringen wir die Erfahrung dieses Andern, die uns eigentlich zu uns selbst führen müsste, bei irgendwelchen Populationen unter, die wir fortan systematisch missverstehen und ausgrenzen

Den Auftakt bildet «Lacan Seminar on tour» in Marienbad. Wir lassen an dem Ort, an dem Lacan 1936 jäh bei seinem Vortrag über das Spiegelstadium von Ernest Jones unterbrochen worden ist, Lacan wieder zu Wort kommen und lesen seinen Aufsatz über das Spiegelstadium. Danach folgen Vorträge über dieses Konzept und die Spiegelerfahrungen im Zusammenhang des Politischen und der Filmwissenschaften, sowie eine Reflexion über die fehlende Repräsentation des Geschlechts im Spiegelbild bei Lacan und eine allgemeine Einführung für Interessierte an der Universität Zürich.

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