Die Logik der Anamorphose. Zu den Beugungsgesetzen von Bewusstsein und Wirklichkeit bei Hegel und Lacan

Vortrag (Reihe ‚Psychoanalyse und Ethik‘)
Dominik Finkelde, München

Jacques Lacan überträgt in seiner berühmten Interpretation des Gemäldes „The Ambassadors“ von Hans Holbein dem Jüngeren die Maltechnik der Anamorphose in den Bereich der Erkenntnistheorie. Dabei interessiert ihn, wie die Anamorphose den Ausschluss zweier Perspektiven auf ein und dasselbe Bild markiert. Die zwei Hauptmotive bei Holbein (die beiden Botschafter und ein Totenkopf) sind zwar auf demselben Gemälde, aber nicht auf gleichen Gegenstandsebenen. Für Lacan offenbart damit das Gemälde, wie das visuelle Feld der menschlichen Perzeption nicht den ganzen Raum der Wirklichkeit / der Welt, die sich vor ihm wie ein Tableau ausbreitet, ausmessen kann. D.h. dem betrachtenden Subjekt stellt sich die Wirklichkeit immer von einem konstitutiven Entzug her dar. Hegel entfaltete denselben Gedanken zu Beginn seiner Phänomenologie des Geistes. Was ihn mit Lacan verbindet, ist die Erkenntnis, dass Subjekt und Objekt um eine Nichtkoinzidenz kreisen, die den Bereich möglicher Erfahrung erst eröffnet.


Zeit:
Fr 5. Mai 2017; 20:15–21:45 Uhr

Ort:
Lacan Seminar
Preyergasse 8
8001 Zürich

Kosten:
Vortrag Fr.: CHF 40 Nichtmitglieder, CHF 30 Mitglieder, CHF 20 Studierende
Seminar Sa.: CHF 80 Nm, 60 M, CHF 20 S
beides: CHF 100 Nm, CHF 80 M, CHF 50 S

Anmeldung: info@lacanseminar.ch